Fairer Gaspreis Kaarst

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"Stadt melkt die Bürger ab"

NGZ vom 28.03.2007; von Christoph Pütz
HEISSER DRAHT Das Telefon stand gestern in der Redaktion Kaarst nicht mehr still: Die Informations- und Gaspreispolitik der Stadtwerke Kaarst hat viele Kunden verärgert. Von Abzocke und Betrug ist die Rede. Viele Gaskunden kündigten Widerspruch gegen die Erhöhung an.

Kaarst Die Kunden der Stadtwerke Kaarst zahlen ab 1. April um acht Prozent niedrigere Gaspreise - dafür aber um bis zu 43 Prozent höhere Grundgebühren. Unterm Strich, so haben mehrere Stadtwerkekunden errechnet, fällt die Rechnung deutlich höher aus. Beim Heißen Draht zur NGZ-Redaktion machten viele Anrufer ihrem Ärger über die Stadtwerke Luft. Auch die Stadt Kaarst war Ziel der Kritik - ist sie doch mit 50 Prozent an den Stadtwerken beteiligt.

Ohne Gas läuft nichts bei Hermann-Josef Thoeren. Denn im Brauhaus am Rathausplatz bereitet der die Gerichte auf dem Gasherd zu. Die höheren Gebühren für Gas machen sich nicht nur bei Privat-, sondern auch Geschäftsleuten bemerkbar.

Fritz Valtner meint: "Der Begriff Abzocke ist eigentlich noch viel zu harmlos ausgedrückt für das, was hier mit dem Verbraucher gemacht wird. Ich würde es schon Betrug nennen! In allen Gazetten, in Funk und Fernsehen, in vielen Reden wird der Bürger aufgerufen, Energie zu sparen. Häuser sollen gedämmt werden, Sparlampen verwendet werden, und so weiter, und so weiter. Obwohl ich seit Jahren durch zahlreiche Maßnahmen meinen Energieverbrauch um rund ein Drittel senken konnte, zahle ich letztendlich immer mehr. Wenn einer hier sagt: 'Wir senken die Preise’, dann lügt er!

Elisabeth Sinn fasst zusammen: "Ich gehöre auch zu den verschaukelten Kunden. Die Bemerkung von Herrn Barczik, die Erhöhung solle die Leute zu besserer Isolierung ermuntern, ist einfach lächerlich. Mein Haus ist 38 Jahre alt. Wir haben immer wegen der damals nicht nach heutigem Standard geltenden Isolationen mehr bezahlt und das im Laufe der Jahre akzeptiert, sofern es sich um Bezugspreise handelte. Ich kann mir heute als Witwe teure Sanierungen überhaupt nicht leisten, denn auch das RWE langt ja immer heftiger zu. Und Gas und Strom brauche ich ja nun mal.

Auch Arno Theißen ist sauer: " Es ist schon unverschämt, wie die Geschäftsführer der Stadtwerke sich für die Rücknahme von einem kleinen Teil der Erhöhungen der letzten Jahre als Super-Preis für die Kunden feiern und gleichzeitig - für den nicht-informierten Kunden klammheimlich - die Grundgebühr um über 40 Prozent erhöhen."

Karl-Heinz Busch sagt: "Hiermit drücke ich meinen Unmut gegenüber den SWK aus. Haben denn vielleicht die SWK auch vor, an die Börse zu gehen, so wie die Großkonzerne, bei der Gewinnspanne ? Wir fühlen uns mit den neuen Tarifen erst recht verschaukelt."

Rudolf Borcherding erinnert sich: "Die Stadtwerke Kaarst wurden unter anderem mit der 'Daseinsfürsorge’ - weniger CO2 Belastung - von unseren Politikern be- und gegründet. Eine sehr lukrative im Übrigen. Denn die Gewinnanteile der Stadt aus ihrer Beteiligung von 50 Prozent belaufen sich auf rund eine halbe Million Euro jährlich. Ab Oktober sind die Erdgasbezieher nicht mehr an Monopole gebunden und können sich einen Lieferanten ihrer Wahl aussuchen. Wie viele kann sich die SWK erhalten? Energiesparen wird belohnt, wenn man denn rechnet!"

Rita und Georg Spelter meldeten sich per E-Mail: "Wir müssen sagen, es ist eine bodenlose Unverschämtheit, wie die SWK den Bürgern das Geld aus der Tasche zieht. Hätte ich die Entwicklung voraus gesehen, wäre ich bei Öl geblieben. Der Preis für Gas wird um zirka elf Prozent gesenkt, aber gleichzeitig der Grundpreis für die Bereitstellung um 43 Prozent erhöht. Hier handelt es sich wohl um einen Aprilscherz. Sobald es möglich und machbar ist, werde ich mir auf dem freien Markt einen günstigeren Anbieter suchen und den Bezieher wechseln."

Ulf R. Lohberg betont: "Es ist unglaublich, wie hier in Deutschland die vier Energie-Oligopolisten die gesamte Bevölkerung schröpfen. Das regionale Beispiel 'Stadtwerke Kaarst’ zeigt dies auch eindrucksvoll. Außer Abscheu habe ich keine Gefühle für die Verantwortlichen in den Energiekonzernen übrig."

Hans Peter Möllers beurteilt die Erhöhung so: "Die Taktik der Stadtwerke Kaarst zum Oktober, wenn der Verbrauch steigt, die Preise zu erhöhen und zum April, wenn der Verbrauch sinkt, die Preise zu senken erinnert doch stark an die Preispolitik der Mineralölkonzerne. An den Tankstellen steigen kurz vor den Ferien, wenn die Reisewelle einsetzt, auch die Benzinpreise. Dass gleichzeitig mit der Senkung des Arbeitspreises der Grundpreis erhöht wird, hängen die Stadtwerke nicht an die große Glocke. Stattdessen will sie den Gaskunden damit in einen neuen Tarif locken, dem jedoch nachteilige Vertragsbedingungen zugrunde liegen. Wer diesen Vertrag unterschreibt, wird Sonderkunde und verzichtet auf sein Recht (§315 BGB), dem Gaspreis zu widersprechen und die Rechnung zu kürzen." Und er macht folgenden Vergleich: "Das ist so, als würde man David im Kampf gegen Goliath die Steinschleuder wegnehmen.

Christel Lautenschläger mailte an die Redaktion: "Die Preis- und Informationspolitik der SWK ist sehr negativ. Der Gaspreis ist in den letzten Jahren enorm gestiegen und wird jetzt auch nicht wirklich gesenkt, da ja der Grundpreis erhöht wird. Dass dies von den SWK nicht bekannt gegeben wurde, ist mies, und die Begründung, auf Grund der Nachfrage der NGZ, ist ja wohl ganz unverschämt (neue Heizanlage kaufen). Soll durch diese schlechte Informationspolitik der Zugang für Wettbewerber erschwert werden?"

Werner Dämisch sagt: "Diese Politik ist katastrophal. Die SWK sagen kaum etwas zu allem, viel weniger noch zur Fernwärme, die doch am umweltfreundlichsten sich darstellt. Gelsenwasser und die SWK gehören zu EON, die doch groß und breit eine Preissenkung angekündigt haben, aber nichts hört man von allem. Das Heizwerk Asternweg gehört ebenfalls zu Gelsenwasser, aber im Internet wird dies überhaupt nicht erwähnt."

Max Lehner will ab sofort nichts mehr an die Stadtwerke bezahlen: "Ich verlange, dass die Stadtwerke ihre Preiskalkulation offen legen."

Rita Hahn hat nachgerechnet: "Durch die neue Grundgebühr zahlen wir über 100 Prozent mehr als zuvor. Man kann anscheinend nur noch auf Kohleöfen umsteigen."

Detlef Stein beschwert sich: ",Fair und mehr’ - hinter diesem Slogan der Stadtwerke steckt doch eine große Trickserei. Besonders schlimm finde ich, dass sich die Stadt Kaarst an dieser Abzockerei beteiligt. Sie melkt die Bürger ab."

Helmut Ludwig sagt: "Was die Stadtwerke gemacht haben, ist vorsätzlicher, langfristig geplanter Betrug."

Brigitte Seeger bedauert: "Wir haben uns dummerweise für zehn Jahre an die SWK gebunden. Was jetzt läuft ist kein korrektes Geschäftsgebaren - das ist total link."
 

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