Fairer Gaspreis Kaarst

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"Milchmädchen-Rechnung"

NGZ vom 24.03.2007; von Christoph Pütz
Die Stadtwerke hatten eine Senkung der Gasgebühren um acht Prozent angekündigt. Allerdings wird die Grundgebühr gleichzeitig um bis zu 43 Prozent erhöht. Viele Kunden fühlen sich verschaukelt.

KAARST "Die Gaspreise in Kaarst sinken um acht Prozent" - das hatten die Geschäftsführer der Stadtwerke Kaarst, Heinz Dieter Vogt und Markus Barczik, in der vergangenen Woche noch stolz verkündet. Wie sich nun herausstellt, ist das allerdings nur die eine, nämlich die werbewirksam blinkende Seite der Medaille. Die zweite Seite ist weniger schön: Denn die Grundgebühr steigt um bis zu 43 Prozent. Und beides ist nur im Kombipack zu haben. Viele Kaarster Gaskunden fühlen sich von den Kaarster Stadtwerken heftig verschaukelt. So zum Beispiel Max Lehner. Denn der hat einfach einmal durchgerechnet, wie sich die neuen Tarife bei seiner eigenen Rechnung auswirken: "Für 2005/2006 musste ich pro Monat 205,55 Euro bezahlen. Für 2006/2007 werden es 243, 84 Euro sein. Und wenn die Preise nicht noch höher werden, dann muss ich im Jahr 2007/2008 exakt 282,24 Euro bezahlen", hat er ausgerechnet. Unterm Strich erwartet er allein für dieses Jahr eine um 200 Euro höhere Rechnung. Doch er nimmt das gelassen: "Ich werde die Erhöhung sowieso nicht zahlen, weil die Stadtwerke immer noch nicht ihre Preiskalkulation offen gelegt haben."

Sauer ist auch Ulf Lohberg: " 'Fair und mehr' - so der Slogan der Stadtwerke Kaarst. Wir haben die Faxen jetzt dicke." Auch Lohberg zahlt seit Juni 2006 nicht mehr den erhöhten Betrag. Er ärgert sich auch über die neu angebotenen Verträge der Stadtwerke: "Die Stadtwerke wollen, dass die Kunden auf ihr Recht verzichten. Denn bisher gilt, dass höhere Gasgebühren nur bezahlt werden müssen, wenn die Stadtwerke ihre Preiskalkulation offenlegen. Und das ist bisher immer noch nicht geschehen."

Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Barczik kann die Aufregung der Betroffenen nicht teilen: "Wenn ein Kunde nach der Gebührensenkung am 1. April unterm Strich wirklich mehr bezahlen muss als vorher, dann stimmt irgendetwas nicht", sagte er gestern. Was das sein könne? "Zum Beispiel ist das Abnahmeverhalten nicht normal. Oder die Geräte des Kunden müssen erneuert beziehungsweise besser eingestellt werden." Dafür stehe ein Energieberater bereit. Warum wurde eigentlich der Grundpreis so drastisch erhöht? "Wir wollen die Kunden motivieren, eine moderne Anlage anzuschaffen. Dabei leisten wir Unterstützung", erklärte Barczik.

Siegfried Lautenschläger, Sprecher der Kaarster Initiative gegen Gaspreiserhöhungen, ist von den Erklärungen der Stadtwerke Kaarst alles andere als überzeugt: "Die Rechnung, die Heinz Dieter Vogt aufgemacht hat, ist eine Milchmädchenrechnung." Lautenschläger hat nachgerechnet: "Der von Vogt bemühte Vier-Personen-Haushalt mit 20 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch wird im Oktober 2007 auf Grund der Grundpreiserhöhung tatsächlich vor der Mehrwertsteuer 111 Euro mehr ausgeben müssen."

 

NGZ vom 24.03.2007; von Christoph Pütz
"Verprellte Kunden"
ZUR SACHE

Da haben sich Heinz Dieter Vogt und Markus Barczik selbst ein Ei ins Nest gelegt. Viele Kunden der Stadtwerke fühlen sich zu recht verschaukelt. Zum einen, weil nicht klar genug transportiert wurde, dass die Gaspreissenkungen nur auf Kosten erhöhter Grundgebühren zu haben sind - und der Kunde nun offensichtlich in vielen Fällen unterm Strich mehr bezahlen muss. Zum anderen, weil die Stadtwerke Kaarst immer noch keine Preiskalkulation vorgelegt haben - und durch neu angebotene Verträge die Kunden davon abgehalten werden sollen, daraus Nutzen zu ziehen und die erhöhten Preise nicht zu zahlen. Mehrere erboste Kunden der Stadtwerke hatten gestern deutlich gemacht, gegen die neuen Preise Widerspruch einzulegen. Im vergangenen Jahr waren es rund 1.000 Gaskunden - nach Ankündigung der Kaarster Initiative werden es nun genauso viele werden. Die Stadtwerke sollten im eigenen Interesse eine umsichtigere Informationspolitik betreiben - und Modellrechnungen vorlegen, die jeder nachvollziehen kann. Denn der Gasmarkt öffnet sich bekanntlich im Herbst. Und ein einmal verprellter Kunde kommt so schnell nicht wieder.

 

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