SPIEGEL ONLINE - 07. Januar 2007, 15:04
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ENERGIEVERSORGUNG
NRW will gegen überhöhte Gaspreise vorgehen
Die nordrhein-westfälische Landesregierung will den Gasversorgern in ihrem Bundesland genau auf die Finger schauen. Wirtschaftsministerin Thoben kündigte eine Überprüfung der Preise an. Zugleich rückt der Zeitpunkt näher, an dem die Verbraucher ihre Lieferanten frei wählen können.
Düsseldorf
Die Landeskartellbehörde in ihrem Ministerium wolle die Gaspreisübersicht des Bundeskartellamtes "sehr sorgfältig auswerten", sagte Christa Thoben heute in Düsseldorf. Sobald es Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Preisgestaltung gebe, werde das Ministerium unverzüglich entsprechende Verfahren einleiten.
Das Bundeskartellamt hatte in der vergangenen Woche erstmals Gaspreise von 739 Versorgern in ganz Deutschland im Internet veröffentlich. Derzeit wird die Liste nach Angaben von Thoben komplettiert und aktualisiert.
Die Ministerin erläuterte, dass die Landeskartellbehörde bereits in der Vergangenheit die Preispolitik der 141 Gasversorger in Nordrhein-Westfalen "kritisch begleitet" habe. So sei erreicht worden, dass die Preisspreizung zwischen einzelnen Versorgungsunternehmen von 45 Prozent auf weniger als 20 Prozent gesenkt worden sei.
Anders als die Strompreisaufsicht, die die Preiserhöhungen vor dem Inkrafttreten genehmigt, kann die Landeskartellbehörde die Gaspreisgestaltung nach Angaben des Ministeriums erst nachträglich bewerten.
Gaskunden können Anbieter bald frei wählen
Private Gaskunden in ganz Deutschland können laut Bundesnetzagentur in Kürze ihren Gasanbieter frei wählen und damit möglicherweise Geld sparen. Noch in diesem Jahr sollen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden, kündigte der Präsident der Bundesoberbehörde, Matthias Kurth, in der "Welt am Sonntag" an. "Wir sollten im Jahr 2007 deutlich über die ersten alternativen Gasangebote für Privatkunden hinauskommen und flächendeckenden Wettbewerb im deutschen Gasmarkt schaffen. Dann werden sich nicht kostenbasierte Unterschiede bei den Gaspreisen angleichen." Ein Anbieter mit regional bedingt hohen Kosten beispielsweise wegen ungünstiger Topografie für Gasleitungen werde allerdings trotzdem keinen deutlich niedrigeren Preis anbieten können.
Bislang können nur die Verbraucher in wenigen Städten, etwa in Berlin und Bonn, zu alternativen Gasanbietern wechseln. In den übrigen Regionen sei es für neue Anbieter bislang wegen der hohen Durchleitungsgebühren nicht attraktiv gewesen, um Kunden zu werben. Chefregulierer Kurth verwies zudem darauf, dass sich die Bedingungen für neue Gasanbieter durch die Einführung des so genannten Zwei-Vertragsmodells jüngst allerdings deutlich verbessert hätten. Die Bundesnetzagentur hat die Aufgabe, durch Liberalisierung und Deregulierung für die weitere Entwicklung auf dem Elektrizitäts-, Gas-, Telekommunikations-, Post- und Eisenbahninfrastrukturmarkt zu sorgen.
ler/ddp/AP
Anmerkungen von Siegfried Lautenschläger
NRW will gegen überhöhte Gaspreise vorgehen“, so die Headline. Genau das kann ich mir in dem E.on- und RWE-Land NRW so recht nicht vorstellen. Diktieren doch die Energiefürsten, was und vor allen Dingen wie all die “Thobens“ die Preise prüfen dürfen.
Ergo wird es nur von den E-Fürsten „genehmigte“ Prüfknöchelchen geben, an der die Politiker nagen dürfen, mit dem entsprechenden medialen Getöse natürlich. Auf dass sich der Sand in unseren Augen mehre.
Der Strommarkt der E.ons, RWEs, EnBws und Vattenfalls zeigt es uns doch: Bin ich Strom-Fürst, bilde ich die Preise fern aller ökonomischen Regeln. Ich muss nur aufpassen, dass ich dabei nicht zu sehr erröte, denn genau das könnte falsch gedeutet werden. Die kleinen „Wettbewerber“ dürfen all die auffangen, welche sich um “1 Cent“ weniger für die kWh tierisch freuen.
Also machen wir uns nichts vor: Natürlich wird es Wettbewerber von Fürstens Gnaden geben. Aber die werden natürlich auch ihre Kosten wegen der vielen „topografischen“ Hemmnisse haben und weiter geben. Aber immerhin: 2, vielleicht 3 Zehntel Cent dürften es schon sein - mehr nicht, wegen der Hemmnisse. Geschäft ist Geschäft, oder ? Und Geld stinkt bekanntlich nicht (aus fürstlicher Sicht).
Satire ? Überzogen ? Alles wird besser ? Ich fürchte nein.
Vielleicht hilft tatsächlich, wie immer wieder zu hören, die Verstaatlichung der Gasfernnetze und der Gasregionalnetze.
Heute bleibt zum Schluss zu sagen: Wir bleiben dran. Wir fordern einen fairen Preis und keinen Wettbewerbspreis. Außer, der ist fair.
Ihr
Siegfried Lautenschläger
(Sprecher Der Bürgerinitiative “Fairer Gaspreis für Kaarst“)


